Auswandern nach Österreich

Wiener Straßenbahn an einer Haltestelle, Fahrgäste steigen ein

Österreich in Kürze: was dich erwartet, was es kostet, und für wen es nicht passt.

VisumNicht nötig (EU)
SpracheDeutsch
WährungEuro
AnmeldungMeldezettel in 3 Tagen
KrankenkassePflicht, über den Job
Kosten ggü. DEÄhnlich, Wien günstiger
Lohn ggü. DEÄhnlich, 14 Gehälter
SteuerlastÄhnlich wie DE
Miete Wien, 3 Zi.900 bis 1.400 Euro
SchuleÖffentlich, kostenlos
DaueraufenthaltNach 5 Jahren
EinbürgerungÖsterreich verlangt Verzicht

Gute Nachricht: EU-Freizügigkeit

Kein Visum nötig: als EU-Bürger ziehst du hin und meldest dich vor Ort an, mehr braucht es nicht.

Für dich fällt Schritt 4 des Fahrplans praktisch weg. Das spart dir Wochen. Der Rest des Fahrplans gilt unverändert.

Arbeiten und Geld

Arbeitsmarkt und Gehalt

Die Löhne liegen im Schnitt ungefähr auf deutschem Niveau, in manchen Branchen leicht darunter, in Wien und in der Industrie teils darüber. Gefragt sind Pflege und Gesundheitsberufe, Handwerk und Bau, IT sowie Tourismus und Gastronomie, letztere vor allem saisonal in den Bergregionen. Eine österreichische Besonderheit: die meisten Arbeitsverhältnisse laufen über Kollektivverträge, und üblich sind 14 Monatsgehälter, also zusätzlich Urlaubs- und Weihnachtsgeld. Diese beiden Sonderzahlungen werden günstiger besteuert als das laufende Gehalt. Vergleiche deshalb nie das Monatsbrutto, sondern das Jahresnetto.

Berufsabschlüsse und Anerkennung

In nicht reglementierten Berufen entscheidet der Arbeitgeber selbst, eine formelle Anerkennung brauchst du nicht. Reglementiert sind vor allem Gesundheitsberufe, Lehrberufe, Recht und Teile des Handwerks mit Meisterpflicht. Für den Vergleich von Abschlüssen ist ENIC NARIC Austria zuständig, für Gewerbe die Bezirksverwaltungsbehörde. Deutsche Abschlüsse werden über die EU-Richtlinien in aller Regel anerkannt, es ist also eine Frage von Wochen bis Monaten und Gebühren, nicht von Ob.

Steuern

Das System ähnelt dem deutschen: progressive Einkommensteuer, Abzug direkt vom Lohn, jährliche Arbeitnehmerveranlagung. Die Gesamtbelastung liegt insgesamt nah an der deutschen. Zwei Unterschiede fallen auf: die Sonderzahlungen (13. und 14. Gehalt) werden begünstigt besteuert, und es gibt keine Kirchensteuer über das Finanzamt, sondern einen direkt eingehobenen Kirchenbeitrag. Das Doppelbesteuerungsabkommen regelt das Verhältnis zu Deutschland. Wer eine vermietete Immobilie in Deutschland behält, bleibt dafür in Deutschland steuerpflichtig, siehe Schritt 7.

Lebenshaltungskosten

Insgesamt ähnlich wie in Deutschland, mit einer wichtigen Ausnahme: Wohnen ist in Wien im Vergleich zu München, Hamburg oder Frankfurt deutlich günstiger, weil ein großer Teil des Wohnungsbestands gemeinnützig oder in Gemeindehand ist. Lebensmittel und Gastronomie liegen etwas über deutschem Niveau, Energie je nach Anbieter ähnlich. Außerhalb Wiens wird es günstiger, in den Tourismusregionen Tirols und Salzburgs dagegen deutlich teurer.

Wohnen und Alltag

Miete, Beispiel Wien

Für eine Dreizimmerwohnung in Wien solltest du je nach Bezirk und Zustand mit 900 bis 1.400 Euro kalt rechnen, in Graz oder Linz weniger, in Innsbruck und Salzburg spürbar mehr.

Wohnungssuche

Der Wiener Markt ist im Vergleich zu deutschen Großstädten entspannt, aber er hat eigene Regeln. Sehr viele Mietverträge sind befristet, meist auf drei Jahre, und werden danach neu verhandelt. Die Kaution beträgt üblicherweise drei Monatsmieten. Rechne mit dem Begriff Ablöse: für Einbauküche, Böden oder Möbel des Vormieters wird eine Zahlung verlangt, die verhandelbar und manchmal überhöht ist. Bei Genossenschaftswohnungen kommt ein Eigenmittelanteil dazu, den du beim Auszug größtenteils zurückbekommst. Die Maklerprovision zahlt seit 2023 in der Regel die Vermieterseite.

Sprache

Deutsch, und das ist der größte Vorteil dieses Ziels. Trotzdem ist es nicht dieselbe Sprache wie zu Hause: im Amtsdeutsch und im Supermarkt begegnen dir andere Wörter, und die Dialekte in Tirol, Kärnten oder der Steiermark sind für Norddeutsche anfangs anstrengend. In Wien kommst du von Tag eins zurecht. Wer in einem Bundesland auf dem Land landet, braucht ein paar Monate für das Ohr.

Schule und Kinder

Öffentliche Schulen sind kostenlos und gut erreichbar, unterrichtet wird auf Deutsch. Die Entscheidung über den weiteren Schulweg fällt nach der Volksschule mit etwa zehn Jahren, also früher als in einigen deutschen Bundesländern. Ganztagsbetreuung ist in Wien gut ausgebaut, auf dem Land oft nicht. Für Kinderbetreuung unter drei Jahren sind die Unterschiede zwischen den Bundesländern groß: in Wien ist der Kindergarten weitgehend beitragsfrei, anderswo zahlst du deutlich.

Ankommen und bleiben

Einreise und Anmeldung

Die Reihenfolge ist streng und beginnt sofort: innerhalb von drei Werktagen nach dem Einzug meldest du dich beim Meldeservice der Gemeinde an und bekommst den Meldezettel. Mitzubringen sind Pass und ein vom Unterkunftgeber unterschriebenes Formular. Der Meldezettel ist danach die Grundlage für alles Weitere, von der Bank bis zum Handy. Zusätzlich beantragst du als EU-Bürger innerhalb von vier Monaten die Anmeldebescheinigung bei der zuständigen Behörde, dafür brauchst du einen Nachweis über Arbeit, Studium oder ausreichende Mittel samt Krankenversicherung.

Krankenversicherung

Wer angestellt ist, wird automatisch pflichtversichert, meist bei der Österreichischen Gesundheitskasse. Der Beitrag geht wie in Deutschland vom Lohn ab, Familienangehörige ohne eigenes Einkommen sind mitversichert. Du bekommst eine e-card, die als Schlüssel für alle Arztbesuche dient. Anders als in Deutschland gibt es eine Rezeptgebühr je Packung und in manchen Fällen einen Selbstbehalt. Selbständige laufen über die Sozialversicherung der Selbständigen. Wer ohne Job kommt, muss sich selbst versichern, das ist möglich, aber nicht umsonst.

Daueraufenthalt und Einbürgerung

Nach fünf Jahren durchgehendem rechtmäßigem Aufenthalt kannst du eine Bescheinigung des Daueraufenthalts beantragen. Bei der Einbürgerung liegt die Hürde nicht in Deutschland: Seit der Reform im Juni 2024 verliert man die deutsche Staatsangehörigkeit nicht mehr, wenn man eine weitere annimmt, Mehrstaatigkeit ist aus deutscher Sicht also möglich. Die Bedingung stellt Österreich: Für die Einbürgerung wird in aller Regel die Aufgabe der bisherigen Staatsbürgerschaft verlangt, Doppelstaatsbürgerschaft ist nur in engen Ausnahmefällen vorgesehen, und Österreich gilt hier als eines der strengsten Länder Europas. Anders als in manchen anderen Ländern ist das hier keine Formsache: Österreich verlangt in der Regel den Nachweis, dass du aus der bisherigen Staatsbürgerschaft entlassen bist, bevor die österreichische verliehen wird. Die Reihenfolge lässt also keinen Spielraum. Praktisch heißt das: dauerhaft bleiben ja, österreichischer Pass nur um den Preis des deutschen. Ältere Ratgeber schreiben das Gegenteil oder begründen es falsch, prüfe das Datum ihrer Angaben.

Deutsche Rente

Die deutsche Rente wird nach Österreich gezahlt. Beitragszeiten aus beiden Ländern werden für die Anspruchsprüfung zusammengerechnet, jedes Land zahlt seinen eigenen Teil. Wer in Österreich arbeitet, zahlt in die dortige Pensionsversicherung ein. Ein Detail, das viele überrascht: Auch die österreichische Pension kennt 14 Auszahlungen im Jahr.

Was anders ist als zu Hause

Nichts davon steht im Merkblatt einer Behörde. Es ist das, worüber sich Zugezogene im ersten Jahr am häufigsten wundern.

Drei Tage, nicht zwei Wochen

Die Meldefrist ist kürzer als in Deutschland und wird ernst genommen. Plane den Behördengang für die erste Woche ein, nicht für den ersten Monat. Ohne Meldezettel geht praktisch nichts.

Vierzehn Gehälter

Urlaubs- und Weihnachtsgeld sind hier keine freiwillige Zulage, sondern in den meisten Kollektivverträgen fest vorgesehen und steuerlich begünstigt. Das macht den Vergleich mit einem deutschen Angebot unübersichtlich, lohnt sich aber meistens.

Titel gehören dazu

Akademische Titel stehen auf Klingelschildern, in E-Mails und auf Visitenkarten und werden in der Anrede benutzt. Was in Deutschland angeberisch wirkt, ist hier schlicht üblich und höflich.

Die Ablöse

Beim Einzug wird oft eine Zahlung für Küche, Böden oder Möbel des Vormieters verlangt. Das ist normal, aber verhandelbar, und überhöhte Beträge lassen sich zurückfordern. Lass dir immer aufschreiben, wofür genau du zahlst.

Grüß Gott und Sie

Gesiezt wird länger und öfter als in vielen deutschen Betrieben, und die Begrüßungsformeln sind andere. Das ist keine Distanz, sondern Form. Wer sie mitmacht, kommt schneller an.

Trinkgeld wird gerundet

Anders als in der Schweiz ist Trinkgeld hier üblich, meist fünf bis zehn Prozent oder das Aufrunden auf den nächsten glatten Betrag. Gezahlt wird direkt an die Bedienung, nicht auf den Tisch gelegt.

Was am Fahrplan anders ist

  • Schritt 4: Entfällt. EU-Freizügigkeit, du meldest dich nur vor Ort an.
  • Schritt 6: Läuft automatisch über den Arbeitgeber. Ohne Job musst du dich selbst versichern, das kostet.
  • Schritt 10: Kein Zoll, keine Inventarliste. Rechne dafür mit einer Ablöse für Küche oder Böden in der neuen Wohnung.
  • Schritt 12: Meldezettel innerhalb von drei Werktagen, danach die Anmeldebescheinigung innerhalb von vier Monaten.

Ehrlich gesagt

Österreich ist der Umzug mit der niedrigsten Einstiegshürde, den es für Deutsche gibt: gleiche Sprache, gleiche Währung, kein Visum, zwei Stunden mit dem Zug zurück zur Familie. Genau darin liegt aber auch die Falle. Weil alles vertraut aussieht, unterschätzen viele die Unterschiede im Kleingedruckten: befristete Mietverträge, Ablöse, andere Meldefristen, ein anderes Sozialversicherungssystem, und eine Einbürgerung, die praktisch den deutschen Pass kostet. Wer beruflich aufsteigen will, sollte außerdem nüchtern hinschauen: außerhalb von Wien, Linz und Graz ist der Arbeitsmarkt dünn, und in ländlichen Regionen sind Netzwerke und Herkunft wichtiger, als es Zugezogene erwarten. Die Lebensqualität in Wien ist dafür regelmäßig und zu Recht in den oberen Rängen internationaler Vergleiche.

Passt zu dir, wenn

  • Familien, die ohne Sprachwechsel und ohne Visum umziehen wollen
  • Pflege-, Gesundheits- und Bauberufe mit guter Nachfrage
  • Alle, die Nähe zu Deutschland und kurze Heimwege brauchen

Passt nicht, wenn

  • Wer einen deutlichen Gehaltssprung erwartet, den gibt es hier selten
  • Karrieren, die einen großen Arbeitsmarkt brauchen, außerhalb Wiens dünn
  • Wer später den österreichischen Pass will, ohne den deutschen aufzugeben
  • Alle, die auf gute Ganztagsbetreuung außerhalb der Städte angewiesen sind

Amtliche Anlaufstellen