Auswandern nach Portugal

Straßenleben in Lissabon mit Passanten und öffentlichem Verkehrsmittel

Portugal in Kürze: was dich erwartet, was es kostet, und für wen es nicht passt.

VisumNicht nötig (EU)
SprachePortugiesisch
WährungEuro
AnmeldungNIF zuerst, dann Registro
KrankenkasseSNS über Sozialversicherung
Kosten ggü. DENiedriger, Lissabon nicht
Lohn ggü. DEDeutlich niedriger
SteuerlastHoch ab mittlerem Einkommen
Miete Lissabon, 3 Zi.1.300 bis 2.000 Euro
SchuleKostenlos, auf Portugiesisch
DaueraufenthaltNach 5 Jahren
EinbürgerungDoppelpass möglich

Gute Nachricht: EU-Freizügigkeit

Kein Visum nötig: als EU-Bürger ziehst du hin und meldest dich vor Ort an, brauchst aber gleich zu Beginn eine Steuernummer.

Für dich fällt Schritt 4 des Fahrplans praktisch weg. Das spart dir Wochen. Der Rest des Fahrplans gilt unverändert.

Arbeiten und Geld

Arbeitsmarkt und Gehalt

Die Löhne gehören zu den niedrigsten in Westeuropa und liegen deutlich unter dem deutschen Niveau, in vielen Branchen bei etwa der Hälfte oder darunter. Nachgefragt sind Tourismus und Gastronomie, Pflege, Bau sowie IT und internationale Servicezentren in Lissabon und Porto, wo Deutsch und Englisch ausdrücklich gesucht werden. Für die meisten Zuziehenden gilt dasselbe wie in Spanien: Die Rechnung geht auf, wenn das Einkommen von außerhalb kommt, also über Remote-Arbeit, eigene Kunden im Ausland oder Rente. Mit einem portugiesischen Gehalt und Lissabonner Mieten wird es eng.

Berufsabschlüsse und Anerkennung

Für nicht reglementierte Berufe brauchst du keine formelle Anerkennung. Reglementiert sind vor allem Gesundheitsberufe, Recht, Lehrberufe und Ingenieurwesen, zuständig sind dort die jeweiligen Berufskammern, etwa die Ordem dos Médicos oder die Ordem dos Engenheiros. Für akademische Abschlüsse gibt es die Anerkennung über die Universitäten und die Direção-Geral do Ensino Superior. Rechne mit beglaubigten Übersetzungen und Apostillen und mit mehreren Monaten Bearbeitungszeit.

Steuern

Wer mehr als 183 Tage im Jahr in Portugal lebt, gilt als steuerlich ansässig und versteuert grundsätzlich sein weltweites Einkommen. Die Einkommensteuer ist stark progressiv, und der Spitzensatz greift früher als in Deutschland, weshalb Portugal für mittlere und höhere Einkommen keineswegs ein Niedrigsteuerland ist. Das frühere Programm für nicht-gewöhnlich Ansässige, bekannt als NHR, wurde für Neuzuzüge beendet und durch ein enger gefasstes Nachfolgeregime ersetzt. Wer Angebote liest, die mit dem alten NHR werben, liest veraltete Informationen. Prüfe den aktuellen Stand, bevor du auf steuerliche Vorteile hin planst.

Lebenshaltungskosten

Außerhalb der Ballungsräume deutlich günstiger als in Deutschland, besonders bei Lebensmitteln, Gastronomie und Dienstleistungen. In Lissabon und an der Algarve hat sich das in den letzten Jahren stark verschoben: dort sind die Wohnkosten auf westeuropäischem Niveau angekommen, während die Löhne es nicht sind. Ein unterschätzter Posten ist das Heizen: Altbauten sind oft schlecht gedämmt, und portugiesische Winter sind feucht und in Innenräumen unangenehm kalt.

Wohnen und Alltag

Miete, Beispiel Lissabon

Für eine Dreizimmerwohnung in Lissabon solltest du mit 1.300 bis 2.000 Euro kalt rechnen, in Porto etwas weniger, im Landesinneren oft nur einen Bruchteil davon.

Wohnungssuche

In Lissabon, Porto und an der Algarve ist der Markt angespannt und von Kurzzeitvermietung und ausländischer Nachfrage geprägt. Üblich sind zwei bis drei Monatsmieten als Kaution plus die erste Monatsmiete im Voraus, dazu Nachweise über Einkommen und häufig ein Bürge mit portugiesischem Wohnsitz, den Zuziehende nicht haben. Ohne NIF, die Steuernummer, unterschreibst du keinen Mietvertrag. Viele Angebote im Netz sind möbliert und auf Monatsbasis zu Ferienpreisen kalkuliert. Wer im Landesinneren sucht, findet dagegen schnell und günstig.

Sprache

Portugiesisch ist schwerer, als viele erwarten: geschrieben nah am Spanischen, gesprochen mit ganz eigener Aussprache und verschluckten Vokalen. In Lissabon, Porto und an der Algarve kommst du mit Englisch im Alltag zurecht, in Behörden, beim Arzt und im Landesinneren nicht. Wer bleiben will, kommt an einem Kurs nicht vorbei. Der Vorteil: die Bereitschaft, dir beim Lernen zu helfen, ist groß und die Geduld mit Anfängern ebenfalls.

Schule und Kinder

Öffentliche Schulen sind kostenlos und unterrichten auf Portugiesisch. Für kleine Kinder ist der Sprachwechsel meist unproblematisch, für Jugendliche kann er den Abschluss gefährden. In Lissabon, Porto und an der Algarve gibt es internationale und deutsche Schulen mit entsprechenden Gebühren. Kinderbetreuung ist im Vergleich zu Mitteleuropa günstig und vielerorts gut verfügbar, die Ganztagsbetreuung ist normal.

Ankommen und bleiben

Einreise und Anmeldung

Die Reihenfolge zuerst: Du beantragst die NIF, die Steuernummer, ohne die weder Mietvertrag noch Konto noch Handyvertrag zustande kommt. Danach meldest du dich bei der Gemeinde an und beantragst als EU-Bürger nach spätestens drei Monaten Aufenthalt das Certificado de Registo bei der Câmara Municipal. Dafür weist du Arbeit, ausreichende Mittel oder ein Studium nach. Anschließend folgen die Sozialversicherungsnummer (NISS) und die Nutzernummer für das Gesundheitssystem. Rechne bei Behörden mit Wartezeiten und plane Termine früh.

Krankenversicherung

Das staatliche Gesundheitssystem SNS steht dir offen, sobald du gemeldet und sozialversichert bist. Die Behandlung ist weitgehend kostenfrei, es fallen aber moderate Gebühren an, und die Wartezeiten für Fachärzte sind je nach Region lang. Deshalb hat ein großer Teil der Bevölkerung zusätzlich eine private Versicherung, die im europäischen Vergleich günstig ist. Für Rentner mit deutscher Rente führt der Weg über das Formular S1. Die Europäische Krankenversichertenkarte deckt nur vorübergehende Aufenthalte und ist keine Lösung für den Umzug.

Daueraufenthalt und Einbürgerung

Nach fünf Jahren rechtmäßigem Aufenthalt kannst du das Daueraufenthalts- recht als EU-Bürger bescheinigen lassen. Bei der Einbürgerung ist Portugal deutlich entspannter als Österreich, die Niederlande oder Spanien: Sie ist nach fünf Jahren möglich, verlangt Sprachkenntnisse auf einfachem Niveau, und Portugal akzeptiert Mehrstaatigkeit. Da auch Deutschland seit der Reform im Juni 2024 keine Aufgabe der deutschen Staatsangehörigkeit mehr verlangt, ist der portugiesische Pass einer der wenigen in Europa, den du zusätzlich zum deutschen erwerben kannst, ohne einen davon abzugeben.

Deutsche Rente

Die deutsche Rente wird nach Portugal gezahlt. Beitragszeiten aus beiden Ländern werden für die Anspruchsprüfung zusammengerechnet, jedes Land zahlt seinen Teil. Wichtig ist die Steuerseite: Wer in Portugal ansässig ist, gibt die deutsche Rente dort in der Erklärung an, und das Doppelbesteuerungsabkommen regelt, wer besteuern darf. Gesetzliche Rente, Betriebsrente und Beamtenpension werden dabei unterschiedlich behandelt. Die steuerlichen Sonderregeln für Zuzügler sind nicht mehr die von früher, verlasse dich nicht auf ältere Darstellungen.

Was anders ist als zu Hause

Nichts davon steht im Merkblatt einer Behörde. Es ist das, worüber sich Zugezogene im ersten Jahr am häufigsten wundern.

Ohne NIF geht nichts

Die Steuernummer ist der Generalschlüssel, nicht nur fürs Finanzamt: Mietvertrag, Konto, Handyvertrag, teils sogar größere Einkäufe verlangen sie. Sie ist der erste Behördengang, nicht der dritte.

Freundlich, aber nicht schnell

Der Umgangston ist herzlich und geduldig, das Tempo der Verwaltung ist es nicht. Wer Termine, Nachweise und Wartezeiten als Unfreundlichkeit deutet, missversteht das Land. Es ist einfach langsamer, und Drängeln hilft nicht.

Der Winter ist das Problem, nicht der Sommer

Viele Wohnungen haben keine richtige Heizung und schlechte Dämmung. Von Dezember bis Februar ist es innen oft kälter und feuchter als draußen. Frag bei jeder Besichtigung nach Heizung und Fenstern.

Der Kaffee ist ein Ritual

Ein Espresso im Stehen an der Theke kostet wenig und gehört zum Tag. Das ist keine Kleinigkeit, sondern der einfachste Weg, in einem Viertel bekannt zu werden.

Bürokratie liebt Papier

Kopien, Stempel und die Vorlage von Originalen sind normal, vieles läuft trotz guter Digitalportale am Ende doch am Schalter. Leg dir eine Mappe an, in der jedes Dokument mindestens zweimal liegt.

Trinkgeld ist bescheiden

Aufrunden oder ein kleiner Betrag genügt, Prozentsätze rechnet niemand aus. Wer deutsche Gewohnheiten mitbringt, gibt eher zu viel als zu wenig.

Was am Fahrplan anders ist

  • Schritt 4: Entfällt als Visum. Dafür NIF, Anmeldung und Certificado de Registo, siehe Schritt 12.
  • Schritt 6: SNS-Zugang über die Sozialversicherung. Für Rentner Formular S1. Zusatzversicherung ist üblich und günstig.
  • Schritt 7: Ab 183 Tagen steuerlich ansässig. Das alte NHR-Programm gilt für Neuzuzüge nicht mehr.
  • Schritt 12: Reihenfolge: NIF, dann Anmeldung, dann Certificado de Registo, dann NISS und SNS-Nummer.

Ehrlich gesagt

Portugal hat in den letzten Jahren einen Ruf bekommen, der dem Land nicht mehr ganz entspricht. Die Erzählung vom günstigen, sonnigen Steuerparadies stammt aus einer Zeit, in der Lissabon billig war und das NHR-Programm offenstand. Beides gilt so nicht mehr: Die Mieten in Lissabon und an der Algarve sind auf westeuropäisches Niveau gestiegen, das alte Steuerprogramm ist für Neuzuzüge geschlossen, und die Einkommensteuer ist für mittlere Einkommen spürbar. Was geblieben ist, ist sehr viel wert: ein mildes Klima, ein freundlicher und entspannter Umgang miteinander, gute Gesundheitsversorgung zu geringen Kosten, niedrige Kriminalität und eine Einbürgerung ohne Passverzicht. Wer mit Einkommen von außerhalb kommt und bereit ist, außerhalb der Hotspots zu wohnen, findet hier eines der besten Verhältnisse von Lebensqualität zu Kosten in Europa. Wer auf ein portugiesisches Gehalt angewiesen ist, hat es schwer.

Passt zu dir, wenn

  • Rentner mit ausreichender deutscher Rente
  • Remote-Arbeitende mit Kunden außerhalb Portugals
  • Alle, die mildes Klima und ruhigen Umgangston über Karriere stellen

Passt nicht, wenn

  • Wer auf ein portugiesisches Gehalt angewiesen ist
  • Alle, die Lissabon oder die Algarve für günstig halten
  • Wer ein Niedrigsteuerland sucht, für mittlere Einkommen ist es keins
  • Kälteempfindliche ohne Budget für Heizung und Sanierung

Amtliche Anlaufstellen