Auswandern in die Vereinigten Arabischen Emirate

Autobahnkreuz in Dubai aus der Luft, mehrere Ebenen und bepflanzte Zwischenflächen

Vereinigte Arabische Emirate in Kürze: was dich erwartet, was es kostet, und für wen es nicht passt.

VisumNötig, an Job oder Vermögen gebunden
SpracheArabisch amtlich, Englisch überall
WährungDirham, fest an den Dollar
AnmeldungEmirates ID und Gesundheitstest
KrankenkassePflicht, meist über Arbeitgeber
Kosten ggü. DEHöher, Miete und Schule
Lohn ggü. DEHöher, ohne Lohnsteuer
SteuerlastKeine Einkommensteuer
Miete Dubai, 3 Zi.110.000 bis 200.000 Dirham im Jahr
SchuleNur privat, größter Posten
DaueraufenthaltGibt es faktisch nicht
EinbürgerungPraktisch ausgeschlossen

Du brauchst ein Visum

Ohne Visum geht nichts, und es gehört dir nie: Der Aufenthalt hängt an einem Arbeitgeber, an Wohneigentum, an einer eigenen Firma oder an einem Langzeitvisum für Vermögende und besonders Qualifizierte.

Arbeiten und Geld

Arbeitsmarkt und Gehalt

Die Gehälter sind in Technik, Bau, Medizin, Finanzen, Logistik und Gastgewerbe gut und werden ohne Lohnsteuerabzug ausgezahlt, was den Unterschied zum deutschen Netto groß macht. Der Preis steht im Vertrag: Kündigungsschutz nach deutschem Verständnis gibt es nicht, Kündigungsfristen sind kurz, und das Aufenthaltsrecht endet mit dem Arbeitsverhältnis. Statt einer Rente steht dir am Ende eine gesetzliche Abfindung nach Dienstjahren zu, und die ersetzt keine Altersvorsorge. Was im Vertrag über Wohnkostenzuschuss, Schulgeld, Flüge und Krankenversicherung steht, entscheidet über deine tatsächliche Rechnung mehr als das Grundgehalt.

Berufsabschlüsse und Anerkennung

Zeugnisse müssen beglaubigt und über eine Kette von Stellen legalisiert werden, üblicherweise über die zuständigen deutschen Behörden, die Botschaft und das emiratische Außenministerium. Ohne diese Attestierung wird kein Arbeitsvisum ausgestellt. Für reglementierte Berufe kommt eine Berufszulassung der jeweiligen Gesundheitsbehörde des Emirats hinzu, in Dubai, Abu Dhabi und auf Bundesebene mit jeweils eigenen Verfahren und Prüfungen. Kümmere dich früh darum, die Kette ist langwierig und reihenfolgenabhängig.

Steuern

Für Privatpersonen gibt es keine Einkommensteuer, und das ist der Hauptgrund, aus dem viele hierherziehen. Seit 2023 gibt es eine Körperschaftsteuer für Unternehmensgewinne oberhalb eines Freibetrags, dazu eine Mehrwertsteuer von fünf Prozent. Zwei Punkte gehören ehrlich dazu. Erstens: Das frühere Doppelbesteuerungsabkommen zwischen Deutschland und den Emiraten war befristet und ist Ende 2021 ausgelaufen, prüfe den aktuellen Stand, bevor du planst. Zweitens: Das deutsche Finanzamt sieht bei einem Wegzug in ein niedrig besteuerndes Land besonders genau hin, ob Wohnsitz und Lebensmittelpunkt tatsächlich aufgegeben wurden, und das Außensteuergesetz kann deutsche Einkünfte noch über Jahre erfassen. Ein Visum in der Tasche beweist gar nichts. Kläre die deutsche Seite vorher mit fachlicher Hilfe.

Lebenshaltungskosten

Insgesamt deutlich über dem deutschen Niveau, aber sehr ungleich verteilt. Zwei Posten dominieren alles: Miete und Schule. Dazu kommen ein Auto, das praktisch Pflicht ist, hohe Stromrechnungen wegen der Klimaanlage und teurer Alkohol. Günstig sind dagegen Benzin, Elektronik, Dienstleistungen, Lieferdienste und Flüge in fast jede Weltregion. Wer ohne Kinder kommt und bescheiden wohnt, spart hier viel. Wer mit zwei Kindern kommt, zahlt für Schule und Wohnung, was in Deutschland eine ordentliche Steuerlast wäre.

Wohnen und Alltag

Miete, Beispiel Dubai

Für eine Dreizimmerwohnung in einer gefragten Lage in Dubai solltest du mit 110.000 bis 200.000 Dirham im Jahr rechnen, in Sharjah oder am Rand deutlich weniger.

Wohnungssuche

Die größte Umstellung: Die Miete wird für ein ganzes Jahr im Voraus vereinbart und in wenigen Schecks bezahlt, häufig ein bis vier für das Jahr. Wer nur monatlich zahlen kann, zahlt einen Aufschlag oder findet weniger Angebote. Dazu kommen eine Kaution, eine Maklerprovision und Gebühren für die amtliche Registrierung des Mietvertrags, ohne die weder Strom noch Internet noch Visumsangelegenheiten für die Familie laufen. Mieterhöhungen sind an einen amtlichen Index gebunden, der die zulässige Steigerung begrenzt, was in Zeiten stark steigender Preise wichtig ist. Vermietet wird meist unmöbliert, oft auch ohne Einbauküche.

Sprache

Amtssprache ist Arabisch, Verkehrssprache ist Englisch, und zwar so vollständig, dass du jahrelang ohne ein arabisches Wort auskommst. Behörden, Ärzte, Verträge, Schulen und der halbe Alltag laufen auf Englisch, weil die große Mehrheit der Bevölkerung selbst zugezogen ist. Das macht den Start einfacher als in jedem anderen Ziel außerhalb Europas. Es hat eine Kehrseite: Wer nie Arabisch lernt, bleibt dauerhaft Gast in einer Blase aus Zugezogenen, und genau das ist hier die Normalität.

Schule und Kinder

Für zugezogene Familien gibt es keine kostenlose Schule, staatliche Schulen stehen im Wesentlichen Staatsangehörigen offen. Kinder gehen auf Privatschulen, und das Angebot ist groß: britische, amerikanische, IB- und deutschsprachige Programme, dazu eine amtliche Bewertung jeder Schule, die öffentlich einsehbar ist. Die Gebühren reichen von mittleren fünfstelligen bis zu sechsstelligen Dirham-Beträgen im Jahr, pro Kind, dazu kommen Anmeldung, Bus, Uniform und Material. Ob der Arbeitgeber Schulgeld zahlt, ist die wichtigste Zahl im gesamten Vertrag, sobald Kinder im Spiel sind.

Ankommen und bleiben

Einreise und Anmeldung

Der Ablauf ist streng getaktet und läuft über den Sponsor, also den Arbeitgeber, den Vermögensnachweis oder die eigene Firma. Nach der Einreise mit Einreisegenehmigung folgen ein medizinischer Test, biometrische Erfassung und die Ausstellung der Emirates ID, die dein Ausweis für alles ist, vom Konto über den Handyvertrag bis zum Arztbesuch. Der Mietvertrag wird amtlich registriert, danach laufen Strom und Wasser. Wer Familie nachholt, wird selbst zum Sponsor und muss Mindesteinkommen und Wohnraum nachweisen. Fristen sind hier keine Empfehlung: Überschreitungen kosten tagesgenaue Gebühren.

Krankenversicherung

Eine Krankenversicherung ist Pflicht und Voraussetzung für die Aufenthaltskarte. Bei Anstellung zahlt sie der Arbeitgeber, und die Qualität des Plans ist Teil des Gehaltspakets: Ein Basisplan deckt wenig, schränkt die Krankenhauswahl ein und schließt vieles aus. Für Familie und Angehörige zahlst du häufig selbst, und Prämien für ältere Menschen sind hoch. Schwangerschaft, Vorerkrankungen und Zahnbehandlung sind oft nicht oder nur begrenzt enthalten. Die private Medizin ist auf hohem Niveau, mit entsprechenden Preisen. Kläre vor der Vertragsunterschrift, was der Plan abdeckt, ab wann er gilt, wer die Familie versichert und was bei einer Kündigung passiert.

Daueraufenthalt und Einbürgerung

Hier liegt der Kern des Ganzen. Ein dauerhaftes Aufenthaltsrecht im europäischen Sinn gibt es nicht. Die längsten Titel sind Langzeitvisa über fünf oder zehn Jahre für Investoren, Vermögende, Fachkräfte und besondere Talente, und auch sie sind befristet und an Bedingungen geknüpft, die fortbestehen müssen. Verlierst du den Job und findest keinen neuen, endet dein Aufenthalt nach einer Übergangsfrist. Die Einbürgerung ist seit 2021 in eng begrenzten Fällen und nur auf Nominierung möglich und für die allermeisten kein realistischer Weg. Praktisch heißt das: Auch nach zwanzig Jahren bist du zu Gast, und dein Alterswohnsitz liegt woanders.

Deutsche Rente

Für Zugezogene gibt es kein staatliches Rentensystem, stattdessen die gesetzliche Abfindung am Ende des Arbeitsverhältnisses, berechnet nach Dienstjahren und Grundgehalt. Das ist eine Abfindung, keine Altersvorsorge, und wer hier arbeitet, sorgt selbst vor. Die deutsche Rente wird in die Emirate gezahlt. Ein Sozialversicherungsabkommen gibt es nicht, deutsche und emiratische Zeiten werden also nicht zusammengerechnet, und wer hier arbeitet, baut in Deutschland nichts weiter auf. Das ist die stille Nebenrechnung des steuerfreien Gehalts: Was du an Steuern sparst, musst du an Vorsorge selbst aufbauen.

Was anders ist als zu Hause

Nichts davon steht im Merkblatt einer Behörde. Es ist das, worüber sich Zugezogene im ersten Jahr am häufigsten wundern.

Die Jahresmiete kommt auf einen Schlag

Bezahlt wird in wenigen Schecks für das ganze Jahr, üblicherweise vor dem Einzug. Wer aus Deutschland kommt und mit Monatsmieten rechnet, steht beim ersten Umzug vor einer fünfstelligen Summe, die sofort fällig ist.

Das Visum hängt am Vertrag

Endet das Arbeitsverhältnis, läuft eine Frist, und danach musst du das Land verlassen. Das gilt auch für mitreisende Familie. Rücklagen sind hier keine Vorsicht, sondern die Bedingung dafür, eine Kündigung überhaupt überstehen zu können.

Der Sommer verlegt das Leben nach drinnen

Von Juni bis September sind über 40 Grad bei hoher Luftfeuchtigkeit normal. Alles findet in klimatisierten Räumen statt, viele Familien verlassen das Land für Wochen. Das prägt den Jahresrhythmus stärker als jeder Winter in Europa.

Schule ist die größte Zahl im Haushalt

Es gibt keine kostenlose Alternative, und die Gebühren pro Kind erreichen leicht die Höhe einer Jahresmiete. Ob der Arbeitgeber sie übernimmt, entscheidet für Familien über den ganzen Umzug.

Der Alltag ist international, die Regeln sind es nicht

Öffentliches Verhalten, Alkohol, Umgang mit Religion und Kritik am Staat sind anders geregelt als in Europa, und das gilt auch online. Wer sich informiert und zurückhält, merkt davon wenig. Wer es für Kulisse hält, kann sich ernsthaft schaden.

Es geht schnell, und es ändert sich schnell

Behördengänge sind digital, effizient und oft in Tagen erledigt, das ist eine echte Wohltat. Dieselbe Geschwindigkeit gilt für Regeln, Gebühren und Visumskategorien. Was du letztes Jahr gelesen hast, kann heute überholt sein.

Was am Fahrplan anders ist

  • Schritt 4: Das Visum kommt über einen Sponsor. Zeugnisse frühzeitig legalisieren lassen, ohne Attestierung kein Arbeitsvisum.
  • Schritt 5: Der Arbeitsvertrag entscheidet über Aufenthalt, Versicherung, Schule und Abfindung. Er ist wichtiger als das Grundgehalt.
  • Schritt 6: Versicherung ist Pflicht und Teil des Gehaltspakets. Deckung, Familie und Kündigungsfall vorher klären.
  • Schritt 7: Keine Einkommensteuer, aber das frühere Abkommen mit Deutschland ist ausgelaufen. Die deutsche Seite zuerst klären.
  • Schritt 10: Jahresmiete in wenigen Schecks im Voraus, dazu Registrierung des Mietvertrags. Das Geld muss beim Umzug bereitliegen.
  • Schritt 12: Reihenfolge: Einreisegenehmigung, Gesundheitstest, Emirates ID, dann Konto, Mietvertrag und Familiennachzug.

Ehrlich gesagt

Die Emirate sind das Ziel, bei dem die Rechnung am schnellsten aufgeht und am leichtesten falsch aufgestellt wird. Kein Lohnsteuerabzug klingt nach einem Drittel mehr Netto, und für Alleinstehende ohne Kinder stimmt das oft sogar. Sobald Familie dazukommt, kippt die Rechnung, weil Schule und Miete Beträge erreichen, die in Deutschland als Steuerlast durchgehen würden. Zwei weitere Dinge werden regelmäßig übersehen. Erstens: Es gibt keinen Weg zu dauerhaftem Aufenthalt. Dein Recht zu bleiben hängt an einem Arbeitsvertrag oder an Vermögen, und wenn beides wegfällt, läuft eine Frist. Zweitens: Was du an Steuern sparst, fehlt in der Altersvorsorge, denn hier baut sich nichts auf. Wer bewusst für einige gute Jahre kommt, mit einem Vertrag, der Schule und Versicherung abdeckt, mit Rücklagen und mit einem Plan, wohin es danach geht, kann hier viel erreichen. Wer sich vorstellt, hier alt zu werden, plant an der Rechtslage vorbei.

Passt zu dir, wenn

  • Fachkräfte mit Vertrag, der Wohnen, Schule und Versicherung abdeckt
  • Unternehmer und Selbstständige mit Kunden in der Region
  • Alle, die bewusst einige Jahre planen und den Ausstieg mitdenken

Passt nicht, wenn

  • Wer hier alt werden will, einen Daueraufenthalt gibt es nicht
  • Familien ohne Schulgeldregelung im Arbeitsvertrag
  • Alle ohne Rücklagen für Jahresmiete und den Fall einer Kündigung
  • Wer den Wegzug aus Deutschland steuerlich nicht sauber aufsetzt

Amtliche Anlaufstellen