Auswandern nach Frankreich

Häuserzeile in einer französischen Altstadt mit Fensterläden, Haustüren und Briefkästen

Frankreich in Kürze: was dich erwartet, was es kostet, und für wen es nicht passt.

VisumNicht nötig (EU)
SpracheFranzösisch, ernst gemeint
WährungEuro
AnmeldungKein Meldeamt, dafür Nummern
KrankenkassePUMa plus Mutuelle
Kosten ggü. DEÄhnlich, Paris höher
Lohn ggü. DEEtwas niedriger
SteuerlastHohe Abgaben, Familien im Vorteil
Miete Lyon, 3 Zi.1.100 bis 1.600 Euro
SchuleKostenlos, Ganztag, streng
DaueraufenthaltNach 5 Jahren
EinbürgerungDoppelpass möglich

Gute Nachricht: EU-Freizügigkeit

Kein Visum nötig: als EU-Bürger ziehst du hin und brauchst keinen Aufenthaltstitel, dafür ziemlich schnell eine Sozialversicherungsnummer.

Für dich fällt Schritt 4 des Fahrplans praktisch weg. Das spart dir Wochen. Der Rest des Fahrplans gilt unverändert.

Arbeiten und Geld

Arbeitsmarkt und Gehalt

Die Bruttolöhne liegen im Schnitt etwas unter dem deutschen Niveau, die Abgaben sind hoch, dafür ist die Wochenarbeitszeit kürzer und der Urlaub großzügig. Gesucht sind Gesundheitsberufe, Ingenieurwesen, IT, Gastronomie und Bau. Der Einstieg ist formaler als in Deutschland: Der Abschluss zählt viel, das Netzwerk zählt mehr, und unbefristete Verträge werden spät vergeben. Wer aus Deutschland kommt, unterschätzt zwei Dinge, nämlich wie wichtig ein sauber gebautes Bewerbungsdossier ist und wie langsam Prozesse laufen, wenn du niemanden kennst.

Berufsabschlüsse und Anerkennung

Für nicht reglementierte Berufe brauchst du keine formelle Anerkennung, dein Zeugnis reicht mit Übersetzung. Reglementiert sind vor allem Gesundheitsberufe, Recht, Lehrberufe, Architektur und Teile des Handwerks. Zuständig sind dort die jeweiligen Ordres und Ministerien. Für akademische Abschlüsse stellt ENIC-NARIC France eine Vergleichbarkeitsbescheinigung aus, die Arbeitgeber häufig sehen wollen. Plane beglaubigte Übersetzungen ein und mehrere Monate Bearbeitungszeit.

Steuern

Wer seinen Lebensmittelpunkt in Frankreich hat, ist dort steuerlich ansässig und erklärt sein weltweites Einkommen. Die Einkommensteuer wird seit 2019 direkt vom Gehalt einbehalten, die jährliche Erklärung bleibt trotzdem Pflicht. Besonders für Deutsche ungewohnt ist der Familienquotient: Die Steuer wird auf Haushaltsanteile verteilt, wodurch Familien mit Kindern deutlich entlastet werden. Dafür sind die Sozialabgaben hoch, und auf Kapitalerträge kommt neben der Steuer eine eigene Sozialabgabe. Wer Immobilien besitzt, rechnet mit der Grundsteuer, und wer eine Zweitwohnung hält, zahlt zusätzlich Wohnsteuer.

Lebenshaltungskosten

Insgesamt auf deutschem Niveau, mit anderer Verteilung. Lebensmittel im Supermarkt und der Restaurantbesuch sind teurer, Strom ist wegen des hohen Atomstromanteils günstiger, öffentlicher Nahverkehr in den Städten ebenfalls. Paris ist ein eigener Kosmos und mit München oder Zürich vergleichbar, während mittelgroße Städte im Süden und Westen deutlich günstiger sind. Kinderbetreuung ist bezahlbar und gut ausgebaut, das entlastet Familien spürbar.

Wohnen und Alltag

Miete, Beispiel Lyon

Für eine Dreizimmerwohnung in Lyon solltest du mit 1.100 bis 1.600 Euro kalt rechnen, in Paris leicht das Doppelte, in Städten wie Nantes, Rennes oder Montpellier etwas weniger.

Wohnungssuche

Die Wohnungssuche läuft über das Dossier, eine Mappe mit Ausweis, Arbeitsvertrag, letzten Gehaltsabrechnungen und Steuerbescheid. Verlangt wird meist ein Einkommen in Höhe des Dreifachen der Miete, dazu ein Garant mit französischem Einkommen. Genau der fehlt Zuziehenden, dafür gibt es die staatliche Bürgschaft Visale, die viele Vermieter akzeptieren. Die Kaution beträgt bei unmöblierten Wohnungen eine Monatsmiete, bei möblierten zwei. Übergabeprotokoll und Rückgabeprotokoll entscheiden über die Rückzahlung, deshalb fotografiere jeden Kratzer. In Paris, Lyon und Bordeaux ist das Angebot knapp und schnell weg.

Sprache

Französisch ist hier keine nette Zugabe, sondern die Eintrittskarte. Im Beruf, bei Behörden, beim Arzt und in der Schule wird Französisch gesprochen, und der Wechsel ins Englische ist seltener, als Reisende es aus Paris in Erinnerung haben. Das ist keine Unhöflichkeit: Wer ein paar Sätze versucht, erlebt fast immer Geduld und Hilfsbereitschaft. Wer nichts versucht, bleibt Gast. Rechne mit einem Jahr Kurs, bevor Behördengänge und Elternabende ohne Übersetzung funktionieren.

Schule und Kinder

Öffentliche Schulen sind kostenlos, laizistisch und deutlich stärker strukturiert als in Deutschland. Ab drei Jahren gilt Schulpflicht, die école maternelle ist damit Teil des Systems und nicht Betreuung. Unterrichtet wird ganztags, mit langer Mittagspause und einem warmen Essen in der Kantine, das ernst genommen wird. Für kleine Kinder ist der Sprachwechsel meist unproblematisch, für Jugendliche ist er hart, weil das Niveau in Französisch und Mathematik anspruchsvoll ist. Deutsche und internationale Schulen gibt es in Paris, Lyon, Straßburg und Toulouse.

Ankommen und bleiben

Einreise und Anmeldung

Ein Einwohnermeldeamt gibt es nicht, und das irritiert Deutsche zuerst. Statt einer Anmeldung sammelst du Nachweise. Der wichtigste ist der justificatif de domicile, ein Wohnsitznachweis in Form einer Strom-, Gas- oder Internetrechnung auf deinen Namen. Ohne ihn läuft kaum ein Antrag. Danach beantragst du über die CPAM die Sozialversicherungsnummer, eröffnest ein Konto und meldest die Kinder direkt in der Schule der Gemeinde an. Die Steuernummer bekommst du mit der ersten Steuererklärung. Termine bei Behörden werden online reserviert und sind knapp, kümmere dich früh darum.

Krankenversicherung

Über die Protection universelle maladie, kurz PUMa, bist du versichert, sobald du arbeitest oder dauerhaft im Land wohnst. Zuständig ist die örtliche Krankenkasse CPAM, das Ergebnis ist die Carte Vitale. Der Haken für Deutsche: Erstattet werden je nach Leistung rund 70 Prozent, den Rest trägst du selbst. Deshalb hat praktisch jeder zusätzlich eine Mutuelle, eine Zusatzversicherung, die häufig über den Arbeitgeber läuft und für Familien mit einigen hundert Euro im Jahr zu Buche schlägt. Beim Arzt zahlst du oft zuerst und bekommst die Erstattung danach automatisch aufs Konto. Für Rentner mit deutscher Rente führt der Weg über das Formular S1.

Daueraufenthalt und Einbürgerung

Nach fünf Jahren rechtmäßigem Aufenthalt hast du als EU-Bürger ein Daueraufenthaltsrecht und kannst es dir bescheinigen lassen. Die Einbürgerung ist ebenfalls nach fünf Jahren möglich, bei einem Studium in Frankreich früher. Verlangt werden Sprachkenntnisse, Kenntnisse über Land und Gesellschaft sowie ein gefestigtes Einkommen. Die sprachlichen Anforderungen wurden zuletzt angehoben, prüfe den aktuellen Stand, bevor du dich auf ältere Darstellungen verlässt. Frankreich akzeptiert Mehrstaatigkeit, und Deutschland verlangt seit der Reform im Juni 2024 keine Aufgabe des deutschen Passes mehr.

Deutsche Rente

Die deutsche Rente wird nach Frankreich gezahlt, und Beitragszeiten aus beiden Ländern werden für die Anspruchsprüfung zusammengerechnet, wobei jedes Land seinen Teil zahlt. Bei der Besteuerung gilt eine Besonderheit, die viele überrascht: Für Renten aus der deutschen gesetzlichen Rentenversicherung liegt das Besteuerungsrecht seit dem Zusatzabkommen von 2015 beim auszahlenden Staat, also bei Deutschland. Frankreich stellt diese Renten frei, berücksichtigt sie aber beim Steuersatz. Für Betriebsrenten und private Vorsorge gelten eigene Regeln.

Was anders ist als zu Hause

Nichts davon steht im Merkblatt einer Behörde. Es ist das, worüber sich Zugezogene im ersten Jahr am häufigsten wundern.

Bonjour ist keine Höflichkeit, sondern die Tür

Wer einen Laden, eine Praxis oder ein Büro betritt, grüßt zuerst und fragt danach. Wird das ausgelassen, gilt das als unhöflich, und die Auskunft fällt entsprechend knapp aus. Es ist die billigste Investition, die du im Alltag machen kannst.

Der Wohnsitznachweis ist der Generalschlüssel

Eine Stromrechnung auf deinen Namen ist wichtiger als jeder Ausweis. Sie öffnet Konto, Krankenkasse, Schulanmeldung und Handyvertrag. Deshalb ist der erste Vertrag im Land der Stromvertrag.

Der Arzt wird zuerst bezahlt

Du legst die Rechnung aus und bekommst den größten Teil erstattet, den Rest übernimmt die Zusatzversicherung. Wer aus dem deutschen System kommt, muss sich an das Vorstrecken gewöhnen und die Mutuelle vom ersten Tag an mitdenken.

Mittag ist eine feste Größe

Zwischen zwölf und zwei ist vieles geschlossen, und gegessen wird gemeinsam und in Ruhe, auch in der Werkskantine. Im August läuft das halbe Land auf Sparflamme. Wer Termine plant, plant um diese Zeiten herum.

Die Verwaltung liebt vollständige Mappen

Ein Antrag mit einem fehlenden Blatt wird nicht nachgefordert, sondern abgelehnt. Umgekehrt gilt: Wer die Liste exakt erfüllt, kommt erstaunlich zügig durch. Sammle jedes Dokument doppelt und behalte Kopien.

Kinder kosten hier weniger

Krippe, Kantine und Betreuung sind einkommensabhängig und günstig, die Steuer sinkt mit jedem Kind, und Ganztagsschule ist der Normalfall. Für Familien ist das der größte Unterschied zum deutschen Alltag.

Was am Fahrplan anders ist

  • Schritt 4: Entfällt als Visum. Dafür Sozialversicherungsnummer und Wohnsitznachweis, siehe Schritt 12.
  • Schritt 6: PUMa deckt rund 70 Prozent. Die Zusatzversicherung gehört von Anfang an dazu, nicht später.
  • Schritt 10: Ohne Dossier und Garant keine Wohnung. Die staatliche Bürgschaft Visale ersetzt den Garanten.
  • Schritt 12: Kein Meldeamt. Zuerst der Stromvertrag als Wohnsitznachweis, dann CPAM, Konto und Schule.

Ehrlich gesagt

Frankreich ist das Ziel, das am nächsten liegt und am meisten unterschätzt wird. Zwei Stunden von der Grenze, gleiche Währung, kein Visum, und trotzdem funktioniert der Alltag nach anderen Regeln. Der Unterschied entscheidet sich fast immer an der Sprache: Wer Französisch lernt, bekommt ein Land mit guter Gesundheitsversorgung, bezahlbarer Kinderbetreuung, kürzeren Arbeitszeiten und einer Lebensqualität, für die andere weit fliegen. Wer es nicht lernt, bleibt in einer Blase aus Zugezogenen und wundert sich, warum Behörden, Nachbarn und Arbeitgeber reserviert bleiben. Die Verwaltung ist formaler als die deutsche, aber berechenbar. Die Löhne sind niedriger, die Abgaben höher, und wer allein und kinderlos gut verdient, steht in Deutschland finanziell besser da. Für Familien kippt die Rechnung häufig in die andere Richtung.

Passt zu dir, wenn

  • Familien, für die Betreuung und Ganztagsschule den Ausschlag geben
  • Alle, die bereit sind, ernsthaft Französisch zu lernen
  • Grenznahe Berufstätige und alle mit Einkommen von außerhalb

Passt nicht, wenn

  • Wer ohne Sprachkurs kommt und auf Englisch hofft
  • Gutverdienende Singles, die auf das Nettoeinkommen schauen
  • Alle, die Verwaltung informell erledigen wollen, hier zählt die Mappe
  • Wer schnell einen unbefristeten Vertrag erwartet

Amtliche Anlaufstellen