Fahrplan · Schritt 2 von 12
Erst die Kriterien, dann die Länder. Wer andersherum anfängt, verliebt sich in ein Land und biegt sich die Gründe zurecht.
Kriterien zuerst
Schreib fünf Dinge auf, die dein Zielland erfüllen muss, und bring sie in eine Rangfolge. Typische Kandidaten:
- Sprache: was du sprichst oder wirklich lernen willst
- Einkommen: Job vor Ort, Remote-Arbeit oder Rente
- Klima: nicht nur Sommer, sondern auch der Winter
- Nähe zu Deutschland: wie oft willst du zurück können?
- Gesundheitsversorgung, besonders ab etwa sechzig
- Schule: welche Sprache, welcher Abschluss, was kostet er?
Die Rangfolge ist der eigentliche Teil der Übung. Alle fünf gleichzeitig erfüllt kein Land.
Die große Weiche: EU und EFTA
Für Deutsche zerfällt die Welt in zwei Hälften. Innerhalb der EU sowie in Norwegen, Island, Liechtenstein und der Schweiz gilt Freizügigkeit. Du darfst hin, du darfst arbeiten, du meldest dich vor Ort an. Kein Visum, keine Wartezeit, kein Punktesystem.
Außerhalb davon brauchst du einen Aufenthaltstitel, und der bestimmt oft alles Weitere: wie lange du warten musst, wie viel Geld du nachweisen musst, ob du arbeiten darfst.
Wenn zwei Länder gleich attraktiv wirken und eines in der EU liegt, nimm das EU-Land, es sei denn, du hast einen sehr guten Grund dagegen. Der Unterschied im Aufwand ist gewaltig.
Von zehn auf drei
Zehn Länder zu vergleichen ist Beschäftigungstherapie. Streich alles, was an deinem wichtigsten Kriterium scheitert, dann am zweitwichtigsten. Was übrig bleibt, sind meist drei Kandidaten. Mit dreien kannst du arbeiten.
Lies zu jedem die Länderseite, besonders den Abschnitt, für wen das Land nicht passt. Der ist nützlicher als alle Vorzüge, denn Vorzüge kennst du schon, sonst stünde das Land nicht auf der Liste.
Probewohnen
Bevor du dich festlegst: mindestens drei Wochen vor Ort, außerhalb der Hochsaison, in einer normalen Wohnung statt im Hotel. Kauf ein, koch selbst, fahr mit dem Bus, versuch ein Behördenformular zu lesen.
Wenn möglich, geh in den Monat, den alle als den schlimmsten beschreiben. Wer den mag, bleibt.
Deine Checkliste
- Fünf Kriterien aufgeschrieben und in eine Rangfolge gebracht
- Sprachfrage ehrlich beantwortet: Was kannst du, was willst du lernen?
- Geprüft, ob EU oder EFTA gilt (das halbiert den Aufwand)
- Drei Länder in die engere Wahl genommen, nicht zehn
- Für jedes Land die Länderseite gelesen, auch den Teil "Passt nicht"
- Probewohnen geplant: mindestens drei Wochen, nicht in der Hochsaison
Ehrlich gesagt
Urlaub und Leben sind zwei verschiedene Länder mit demselben Namen. Der Ort, an dem du zwei entspannte Wochen hattest, ist im November um sieben Uhr morgens ein anderer. Fahr hin, wenn das Wetter schlecht ist, geh einkaufen, sitz eine Stunde in einem Wartezimmer. Das sagt mehr als zwanzig Blogartikel.
Nächster Schritt
Schritt 3: Budget und Notgroschen
Was der Umzug kostet und was du übrig haben musst.
Vorher: Schritt 1: Die Entscheidung ehrlich prüfen